Industriepampe: Wie die Kunstprodukte unser Körpergefühl blenden

Industriepampe: Wie die Kunstprodukte unser Körpergefühl blenden

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Genres: Aktuelles Zeitgeschehen
Autoren:
Schlagwörter: Aufklärung, Enthüllungen

Ein erfolgreicher Abend
    Sie stehen in Ihrer Küche und kochen für den Besuch, den Sie am Abend erwarten. Die Gäste sollen sehr kostengünstig, aber trotzdem imposant bekocht werden. (Wen Sie beglücken, das bleibt Ihrer Fantasie überlassen.) Zwei Ihrer Freunde sind Lebensmitteltechnologen und haben Sie perfekt beraten. Netterweise haben diese Ihnen auch ein paar Zutaten besorgt, die Sie im Supermarkt in fast jedem Produkt vorfinden, aber nur in verarbeiteter Form. Günstig und trotzdem lecker - Sie nehmen sich heute die Nahrungsmittelindustrie zum Vorbild.
    Zur Begrüßung der Gäste soll ein leckerer Snack auf die liebevoll dekorierten Stehtische. Sie entscheiden sich für selbst gemachte Kartoffelchips. Nach dem Frittieren in einem gängigen Frittieröl, dem Sie einen winzigen Schuss Olivenöl hinzugefügt haben, schmecken diese zunächst nach nichts. Glutamat ist bei Ihren Gästen nicht beliebt. Lieber nehmen Sie den Hefeextrakt des Lebensmitteltechnologen, das klingt besser. Mit Hefe hat ja jeder Ihrer Gäste irgendwann schon einmal gebacken. Sie murmeln auf die Fragen der Gäste vage etwas von „pflanzlicher Würze“ und von „Hefe“. Es befinden sich Vegetarier unter ihren Gästen. Trotzdem ergänzen Sie ein Aroma, das vom Rind stammt. Beim Servieren erzählen Sie von dem natürlichen Aroma, das verwendet wurde. Noch ordentlich Salz (Jodsalz ist ja gesund) und ein paar Gewürze: Rosmarin klingt doch lecker, oder? Auch das gibt es fix und fertig als Aroma. Sie ergänzen günstige fein gemahlene Kräuter, damit die grünen Pünktchen das Produkt verschönern. Da tut es irgendein Kraut, dessen Geschmack nicht schadet. Jeder wird denken, es sei Rosmarin.